Lustiger Besuch im Gruselhotel
Kattendorfer Kinder-Theatergruppe begeisterte mit neuem Stück

von isabelle pantel
Die Geister
Kattendorf. Bis Halloween ist es nicht mehr lange hin und so konnten sich die Gäste des Kattendorfer Theaters am Wochenende schon einmal darauf einstimmen lassen. Die „Regenbogenkinder“ hatten zweimal zu ihrer Gruselkomödie „Geister, nichts wie weg hier!“ eingeladen. Die jungen Akteure im Alter zwischen 9 und 15 Jahren spielten jeweils vor voll besetztem Haus und vor begeisterten Zuschauern.

Wie immer bei den Aufführungen des Kattendorfer Theaters war die Bühne aufwendig gestaltet. Dieses Mal hatten die Bühnenbildner zwei Schauplätze hergerichtet: einen Friedhof sowie ein Schlosshotel. Ihren Anfang nahm die Geschichte zwischen Gräbern, in denen es vier Untoten zu langweilig wurde. Sie beschlossen daraufhin, in ein Schloss umzuziehen – ohne zu wissen, dass dieses mittlerweile in ein Abenteuerhotel umgestaltet wurde. So gerieten die Gespenster zwischen die Hotelgäste, doch diese reagierten ganz anders als erwartet: Sie gruselten sich kein bisschen. Die altägyptische Mumie Hatschepust musste sich sogar gefallen lassen, als Klorolle bezeichnet und per Foto auf Facebook gestellt zu werden – ein Desaster für das Gespenst, eine große Freude für das lachende Publikum.

Dass die Hotelgäste sich nicht einschüchtern ließen, hatte einen guten Grund. Sie hatten eine Gruselnacht gebucht und erwarteten daher als Gespenster verkleidete Schauspieler. Dass diese wegen einer Reifenpanne gar nicht kommen konnten, ahnten sie nicht – sehr zum Vergnügen der Zuschauer, die sich von der temporeichen Verwechslungskomödie vollkommen mitreißen ließen und immer wieder herzhaft lachen mussten.

Zum Theaterclub Kattendorf gehören neben den „Regenbogenkindern“ noch weitere Gruppen. Die nächste Premiere steht am Sonnabend, 4. November, an. Dann stehen wieder die Erwachsenen auf der Bühne. Das neue Stück der Gruppe „Twilight“ nennt sichLaster, Liebe und Lametta und verspricht ebenfalls beste Unterhaltung.

Das Theaterstück „Geister, nichts wie weg hier!“ wird noch zweimal aufgeführt: am 8. und 9. Oktober, ab 16 Uhr im Kattendorfer Theater an der Sievershüttener Straße 18a. Der Eintritt ist frei, es wird aber um Spenden gebeten. Weitere Informationen unter www.theaterclub-kattendorf.de.

Junge Darsteller spielen bewegend  Sophie3

              Segeberger Zeitung 13.07.2016

Schwangerschaft, Drogen, Prostitution:
Berührendes Drama der Jugendtheatergruppe „KidKatts“

Die KidKatts haben mein Stück super umgesetzt“. Elke Heilsberger, Autorin

Von Friederike Kramer

sophie1

 

 

 

Sophie (Emilie Hübner)mit ihrer Freundin Katja (Marie Sophie Kolbeck)  aus der Straßengang und mit ihrem personifizierten Gewissen (Laila Malin Koslowski). ©

 

 

 

 Kattendorf. Einige Zuschauer mussten sich die Tränen aus den Augen wischen. Das Jugenddrama „Sophie – Ein Leben“ spielen die jungen Mitglieder der Theatergruppe KidKatts völlig glaubwürdig und in einer bewegend-authentischen Weise. Auch die Autorin war bei der Premiere beeindruckt.

Sophie (als Kind: Nele Otte, als Jugendliche: Emilie Hübner) ist eingezwängt in die strengen Moraldenkweisen ihres Vaters (Milan Heins), eines Pastors. Sie darf keine laute Musik hören und Ausdrücke wie „geil“ oder „kein Bock“ nicht benutzen. Als Sophie schwanger wird, flieht sie aus dem Elternhaus. Sie findet eine Ersatzfamilie bei einer Straßengang (erschütternd echt dargestellt von Vivi Priem, Karolina Hinz, Bennet Hinz, Nele Otte und Marlon Husmann).

Sophie bekommt ihr Baby und wird von ihrer neuen Freundin Katja (Marie Sophie Kolbeck) getröstet mit den Worten: „Das Leben geht weiter, du wirst sehen.“ Sophie rutscht jedoch immer mehr ab, muss durch Diebstahl und Prostitution für Geld in der Gruppe sorgen. Katja stirbt schließlich durch einen „goldenen Schuss“ mit Heroin, Sophie findet den Weg zurück nach Hause, wo ihr Vater unbeeindruckt vom Schicksal seiner Tochter am Tisch in der Bibel liest.

Emilie Hübner berührte als Sophie von Anfang an mit engagiertem Spiel und beeindruckender Bühnenpräsenz. Mitreißend agierte auch Laila Malin Koslowski als Sophies Gewissen. Alle vierzehn jungen Schauspieler im Alter von 13 bis 20 Jahren überzeugten nach sieben Monaten Proben unter der gelungenen Regie von Margret Koch mit einer berührend glaubhaften Darstellung. Spannend war die musikalische Begleitung auf Orgel, Klavier und Xylophon von Lars Schlick.

„Die KidKatts haben mein Stück super umgesetzt“, schwärmte Autorin Elke Heilsberger aus Bargteheide am Ende der Vorstellung. Die Präsidentin des Landesverbandes der Amateurtheater Schleswig-Holstein war zur Premiere nach Kattendorf gekommen.

Sophie – ein Leben“
wird am Freitag, 15. Juli, und Sonnabend, 16. Juli, jeweils um 20 Uhr sowie am Sonntag, 17. Juli, um 18 Uhr im Theater Kattendorf (Sievershüttener Str. 18a) wiederholt.
Eintritt: 8 Euro. 

www.theaterclub-kattendorf.de

sophie2

 

 

 

 

Ein spannendes Stück" sagten die 17-jährige Paula Kunde und der 20-jährige Marvin Christoffersen aus dem Publikum. ©

 


 

Vorhang auf für bittere Komödie mit Tiefgang

Theatergruppe Twilight feierte gelungene Premiere von „Der Besuch“ – Musikalische Unterstützung durch Pianistin Susanne Stolpe

Trist hat aus mir eine Hure gemacht, jetzt mache ich aus Trist ein Bordell.“
Beatrice Vabramowitsch Milliardärin in „Der Besuch“

Von Friederike Kramer                                                     Segeberger Zeitung vom 09.11.2015

Bahenhof_Trist

Keine Stimmung am Bahnhof in der Komödie „Der Besuch“, aufgeführt von der Theatergruppe Twilight: Bänkerin Svetlana Schäfer (Tamara Koch), Pastorin Magdalena Greiffenhagen (Vivian Behrmann), Saskia Serwotka als Girlie, Patrick Mieta als Alfreds Kumpel, Petra Harder (Mona Müller) und Polizeihauptmeister Hermann Matussek (Karsten Harms). © Kramer (2)

Kattendorf. Gelungene Premiere eines Klassikers: Die Theatergruppe Twilight begeisterte mit „Der Besuch“ das Publikum. Die von Rainer Hansen eigenwillig in Szene gesetzte tragische Komödie – basierend auf Friedrich Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ – zeigte eindrucksvoll, wie sich ein klassisches Bühnenstück mit innovativen Ideen in die norddeutsche Tiefebene versetzen lässt.

Es geht um die Milliardärin Beatrice Vabramowitsch (Grit Feller), die nach 25 Jahren in ihren Heimatort Trist zurückkehrt, um sich für die damals erlittenen Demütigungen zu rächen. Sie fordert Gerechtigkeit und folgt – bedingt durch ihren Reichtum – dem Motto: „Wer Geld hat, bestimmt die Musik, und wer die Musik bestimmt, lässt tanzen“. In Trist wird sie, obwohl einst als Prostituierte beschimpft, nun freudig empfangen, da man auf ihre finanzielle Hilfe hofft. Sie verspricht den Einwohnern des Ortes fünf Milliarden Euro unter der Bedingung, dass Alfred Harder (Juan José Cortés Alor) getötet wird – der Mann, der sie einst schwängerte, verließ und verleugnete. Und weil Vabramowitsch die Stadt zuvor durch den Aufkauf der lokalen Betriebe in den Ruin getrieben hat, sind die Trister Bürger zunehmend auf das Geld der Milliardärin angewiesen.

Die einfallsreich gestaltete Aufführung mit musikalischer Begleitung durch die Pianistin Susanne Stolpe konnte mit einem hohen Wiedererkennungswert aufwarten. Die typisch dörflichen Szenerien – Sitzungssaal des Rathauses, ein Kirchenraum, der Wald oder die öde Atmosphäre am Bahnhofsgleis – sorgten für eine gute Identifikation mit der Bevölkerung. Zudem könnte die musikalische Untermalung mit bekannten Songs wie Hildegard Knefs „Für mich soll’s rote Rosen regnen“, den Gospel „Stand By Me“, oder auch – unter Einbeziehung des Publikums – „Polonäse Blankenese“ punkten.

Als Harder schließlich bemerkt, dass alle Dorfbewohner plötzlich über ihre Verhältnisse leben, bekommt er es mit der Angst zu tun. Doch seine ehemalige Geliebte – in Mimik, Gestik und Bühnenpräsenz präsent geschauspielert von Grit Feller – verfolgt ihre ganz eigenen Pläne.

Die schwungvolle Komödie mit starken Akteuren – etwa Tamara Koch als berechnende Bänkerin Svetlana Schäfer, Gina-Lisa Schütze als leicht dümmliche Boutique-Besitzerin Mette Joop und Vivien Behrmann als urig-temperamentvolle Pastorin – bewies eindrucksvoll, dass die Kattendorfer Laienschauspieler der Herausforderung des Stücks vollends gewachsen sind.

Weitere Aufführungen: jeden Freitag und Sonnabend bis 5. Dezember jeweils ab 20 Uhr. Am 14. November beginnt die Komödie bereits um 16 Uhr.

Trist
Mette Joop (Gina-Lisa Schütze, von links) Girlie (Ina Schlüter) und
Hotelbesitzen Myriel Kempinski (Sarah Lindemann) langweilen sich in der Ortschaft Trist.


 

Eine tragische Komödie zum Jubiläum                        Segeberger Zeitung 12.10.2015

Theaterclub Kattendorf besteht seit 30 Jahren - 70 aktive Mitglieder auf und hinter der Bühne

Von Alexander Christ

Regenbogenkinder

Die Jüngsten des Theaterclubs Kattendorf:
Die Gruppe „Regenbogenkinder“ erhielt bei den Aufführungen ihres letzten Stücks „Oha, eine Leiche!“ kräftigen Applaus vom Publikum. ©

 

Kattendorf. Egal ob plattdeutsche Komödien, Märchen oder Klassiker der Weltliteratur: Seit 1985 überraschen die Laienschauspieler des Theaterclubs Kattendorf (TCK) ihre Fans mit immer neuen Bühnenstücken. Als nächste Aufführung steht eine tragische Komödie auf dem Programm.

210 Mitglieder hat der Theaterclub zurzeit. Es gibt vier Gruppen, die sich „Plattschnacker“, „KidKatts“, „Twilight“ und „Regenbogenkinder“ (früher „Zwerge“) nennen. Insgesamt haben sie in den vergangenen Jahren 78 Stücke einstudiert und fast 1000 Aufführungen gegeben. Jüngster Nachwuchsschauspieler ist heute der 8-jährige Tayler Ritter. Ältestes Ensemblemitglied ist dessen Großvater Dietmar Ritter, 68 Jahre alt.

Rund 70 aktive Mitwirkende zählt der TCK zurzeit; neben den Darstellern sind auch die vielen Helfer wichtig. „Sie unterstützen uns als Regisseure, Souffleusen, Maskenbildner, Bühnenbauer, Pianisten, Requisiteure sowie Licht- und Tontechniker“, erklärt Helga Heins. Sie ist Mitgründerin des TCK und außerdem noch Pressesprecherin, Schauspielerin und Leiterin der Kindergruppe „Regenbogenkinder“.

Über viele Jahre fanden fast alle Proben und Aufführungen in Steenbucks Gasthof statt. 2009 erhielt Kattendorf ein eigenes kleines Theater mit 120 Sitzplätzen. Es wurde an die Sporthalle angebaut.

Das erste Stück des Theaterclubs war 1985 eine plattdeutsche Komödie. 1988 wurde mit der Jugendarbeit begonnen. Die Stücke der Kinder sind nach wie vor derart beliebt, dass die Vorstellungen im Normalfall ausverkauft sind. Das galt auch für das jüngste Stück der „Regenbogenkinder“, die Komödie „Oha, eine Leiche!“. „Derzeit spielen über 40 Kinder und Jugendliche bei uns mit. Das ist eine beachtliche Quote“, sagt der TCK-Vorsitzende Horst Fritschi.

Seit 1988 ist Holger Ahlrichs im Club. Ohne ihn wäre keine Vorstellung denkbar. Als Licht- und Tontechniker sorgt er für die richtige Beleuchtung und Beschallung. Ahlrichs: „Die ersten fünf Jahre war ich Schauspieler. Dann wechselte ich hinter die Bühne und habe mich in den letzten Jahren immer tiefer in die Materie eingearbeitet.“ Ihn reizt es, neue technische Herausforderungen zu meistern und mit Licht- und Toneffekten zu experimentieren.

Das nächste große Ereignis im Kattendorfer Theater
ist die Premiere der tragischen Komödie „Der Besuch“, frei nach Friedrich Dürrenmatts Romanvorlage „Der Besuch der alten Dame“. Sie wird von der Erwachsenengruppe „Twilight“ am Freitag, 6. November, ab 20 Uhr in Szene gesetzt. Weitere Vorstellungen gibt es noch bis zum 5. Dezember jeweils freitags und sonnabends ab 20 Uhr. Eine Ausnahme bildet der 14. November, ein Sonnabend. An diesem Tag wird bereits ab 16 Uhr gespielt.
Im neuen Stück der Gruppe „Twilight“ spielt Grit Feller die wohlhabende Beatrice Vabramowitsch, die sich in Alfred Harder, gespielt von Juan José Cortés Alor, verliebt. ©


Zur PDF-Ausgabe bitte in den Artikel klicken:

SZ-15-06-17