Vorhang auf für bittere Komödie mit Tiefgang

Theatergruppe Twilight feierte gelungene Premiere von „Der Besuch“ – Musikalische Unterstützung durch Pianistin Susanne Stolpe

Trist hat aus mir eine Hure gemacht, jetzt mache ich aus Trist ein Bordell.“
Beatrice Vabramowitsch Milliardärin in „Der Besuch“

Von Friederike Kramer                                                     Segeberger Zeitung vom 09.11.2015

Bahenhof_Trist

Keine Stimmung am Bahnhof in der Komödie „Der Besuch“, aufgeführt von der Theatergruppe Twilight: Bänkerin Svetlana Schäfer (Tamara Koch), Pastorin Magdalena Greiffenhagen (Vivian Behrmann), Saskia Serwotka als Girlie, Patrick Mieta als Alfreds Kumpel, Petra Harder (Mona Müller) und Polizeihauptmeister Hermann Matussek (Karsten Harms). © Kramer (2)

Kattendorf. Gelungene Premiere eines Klassikers: Die Theatergruppe Twilight begeisterte mit „Der Besuch“ das Publikum. Die von Rainer Hansen eigenwillig in Szene gesetzte tragische Komödie – basierend auf Friedrich Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ – zeigte eindrucksvoll, wie sich ein klassisches Bühnenstück mit innovativen Ideen in die norddeutsche Tiefebene versetzen lässt.

Es geht um die Milliardärin Beatrice Vabramowitsch (Grit Feller), die nach 25 Jahren in ihren Heimatort Trist zurückkehrt, um sich für die damals erlittenen Demütigungen zu rächen. Sie fordert Gerechtigkeit und folgt – bedingt durch ihren Reichtum – dem Motto: „Wer Geld hat, bestimmt die Musik, und wer die Musik bestimmt, lässt tanzen“. In Trist wird sie, obwohl einst als Prostituierte beschimpft, nun freudig empfangen, da man auf ihre finanzielle Hilfe hofft. Sie verspricht den Einwohnern des Ortes fünf Milliarden Euro unter der Bedingung, dass Alfred Harder (Juan José Cortés Alor) getötet wird – der Mann, der sie einst schwängerte, verließ und verleugnete. Und weil Vabramowitsch die Stadt zuvor durch den Aufkauf der lokalen Betriebe in den Ruin getrieben hat, sind die Trister Bürger zunehmend auf das Geld der Milliardärin angewiesen.

Die einfallsreich gestaltete Aufführung mit musikalischer Begleitung durch die Pianistin Susanne Stolpe konnte mit einem hohen Wiedererkennungswert aufwarten. Die typisch dörflichen Szenerien – Sitzungssaal des Rathauses, ein Kirchenraum, der Wald oder die öde Atmosphäre am Bahnhofsgleis – sorgten für eine gute Identifikation mit der Bevölkerung. Zudem könnte die musikalische Untermalung mit bekannten Songs wie Hildegard Knefs „Für mich soll’s rote Rosen regnen“, den Gospel „Stand By Me“, oder auch – unter Einbeziehung des Publikums – „Polonäse Blankenese“ punkten.

Als Harder schließlich bemerkt, dass alle Dorfbewohner plötzlich über ihre Verhältnisse leben, bekommt er es mit der Angst zu tun. Doch seine ehemalige Geliebte – in Mimik, Gestik und Bühnenpräsenz präsent geschauspielert von Grit Feller – verfolgt ihre ganz eigenen Pläne.

Die schwungvolle Komödie mit starken Akteuren – etwa Tamara Koch als berechnende Bänkerin Svetlana Schäfer, Gina-Lisa Schütze als leicht dümmliche Boutique-Besitzerin Mette Joop und Vivien Behrmann als urig-temperamentvolle Pastorin – bewies eindrucksvoll, dass die Kattendorfer Laienschauspieler der Herausforderung des Stücks vollends gewachsen sind.

Weitere Aufführungen: jeden Freitag und Sonnabend bis 5. Dezember jeweils ab 20 Uhr. Am 14. November beginnt die Komödie bereits um 16 Uhr.

Trist
Mette Joop (Gina-Lisa Schütze, von links) Girlie (Ina Schlüter) und
Hotelbesitzen Myriel Kempinski (Sarah Lindemann) langweilen sich in der Ortschaft Trist.